Die Wirtschaftskrise ist längst zu einer Vertrauenskrise geworden, die nicht mit Finanzhilfen und Wachstumsbeschleunigern überwunden werden kann. Die Politik braucht den Mut zum Paradigmenwechsel.
Köln, 11. Januar 2010: Eine gemeinsame Studie der Deutschen Gesellschaft für Supervision e.V. (DGSv), des Sigmund-Freud-Instituts Frankfurt/Main und der TU Chemnitz kommt zu dem Ergebnis, dass turbulente Veränderungen bei den Beschäftigten einen hohen psychischen Druck auslösen, der zu teilweise nur schwer zu reparierenden Vertrauensschäden und einer steigenden Resignationsquote führt. „Der Mensch entspricht nicht den ökonomischen Modellen wie Betriebswirte es sich wünschen mögen“ sagt Prof. Dr. Dr. Rolf Haubl, Sigmund-Freud-Institut.
Mitarbeiter beklagen insbesondere die zunehmende Beschleunigung von Arbeitsprozessen und den stets steigenden Druck, immer und überall ein Höchstmaß an Effizienz, Innovationsfähigkeit und Veränderungsbereitschaft bieten zu müssen, um überhaupt noch in der Arbeitsgesellschaft mithalten zu können. Die Investitionen sind hoch, das Auskommen jedoch niedrig, da auch unter hohem Einsatz eine sichere Zukunft nicht garantiert werden kann.
Auffällig ist, dass angesichts des ständigen Wandels ein drängender Bedarf nach verantwortlicher und unterstützender Führung besteht, Vorgesetze sich dem aber oft nicht gewachsen zeigen. „Unsere Untersuchungsergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, mit seinen Beschäftigten ein vertrauensvolles und wertschätzendes Verhältnis zu haben – gerade in schwierigen Zeiten.“ stellt Prof. Dr. G. Günter Voß, TU Chemnitz, fest.
Über die Schilderung konkreter Probleme im direkten Arbeitsleben deutet sich in der Studie ein zusätzlicher gesamtgesellschaftlicher Trend an: „Die Menschen fühlen sich an vielen Stellen ihres Lebens zur aktiven Selbstfürsorge gezwungen, sind damit aber aufgrund schwieriger Rahmenbedingungen oft überfordert“, sagt Prof. Dr. Bernhard Lemaire, Vorsitzender der DGSv. Gesellschaftliche Orientierungspunkte fehlen zunehmend und die zeitlichen Bezugsrahmen politischer Maßnahmen werden stetig kürzer – die Verlässlichkeit des Staates steht auf dem Spiel.
„Wenn wir uns die Ergebnisse der Studie anschauen und gleichzeitig beobachten, wie von Seiten der Politik versucht wird, der Krise durch eine Beschleunigung des Wachstums zu begegnen, so müssen wir von einer weiteren Verschlechterung des gesellschaftlichen Klimas ausgehen,“ so Lemaire weiter. „Politik muss begreifen, dass besonders der Staat verloren gegangenes Vertrauen in das Wirtschaftssystem wieder aufbauen kann. Hierzu muss er grundlegend orientierend handeln und nicht kurzfristig als Wirtschaftsbeschleuniger auftreten.“
