Stellungnahme des Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Supervision e.V. (DGSv) Prof. Dr. Bernhard Lemaire zum Fehlzeiten-Report 2010 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) vom 8. Juli 2011

Köln, 15. Juli 2010: Der diesjährige Fehlzeiten-Report zeigt sehr deutlich, dass psychische Erkrankungen eine stetig wachsende Bedrohung für die Arbeitswelt in Deutschland darstellen. So stieg die Anzahl der Arbeitsunfähigkeitsfälle hierbei in den letzen elf Jahren um fast 77% und die Ausfalldauer um knapp 73%.

Trotz alarmierender Zahlen wird das Risiko psychischer Erkrankungen am Arbeitsplatz aber weiter vernachlässigt. Arbeitsverdichtung, Beschleunigung und Überforderung der Beschäftigten führen immer häufiger zu steigender innerer Unruhe, psychosozialer Instabilität und letztlich psychischer Erkrankung.

Alle Verantwortlichen – vom Politiker über die Betriebsärztin bis zu Unternehmensvorständen und Betriebsräten – müssen einen Rahmen für den humanen Umgang mit der internationalisierten und flexibilisierten Arbeitsrealität entwickeln. Hierzu müssen wir uns von alten betriebs- und volkswirtschaftlichen Modellen lösen und den Menschen und seine Bedürfnisse wieder in den Mittelpunkt der Betrachtungen stellen. Die Frage, die es zu beantworten gilt, lautet: Wie kann heute innere und äußere Stabilität für Menschen im Arbeitsleben gesichert werden?

Unserer Erfahrungen zeigen, dass Wandel und Dynamik dann als positiv empfunden werden, wenn sie von den Menschen aktiv gestaltet werden können. Um den erhöhten Anforderungen im Arbeitsalltag gerecht zu werden, ist ein Umdenken nötig. Unsere Arbeitskultur muss in der Lage sein, die für die Ausgeglichenheit notwendigen Denkpausen in den Alltag zu integrieren. Denkpausen beugen der Erschöpfung vor, machen Vergewisserung und kritische Reflexion möglich. Durch den gezielten Einsatz von Supervision werden die Menschen emotional spürbar entlastet, psychischen Erkrankungen kann so wirksam vorgebeugt werden.

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