Stellungnahme der Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Supervision e.V. (DGSv) Prof. Dr. Brigitte Geißler-Piltz zum Abschlussbericht der Unabhängigen Beauftragten zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs, Dr. Christine Bergmann vom 24. Mai 2011

Köln, 6. Juni 2011: Der vorliegende Abschlussbericht von Frau Dr. Bergmann zeigt unserer Gesellschaft auf erschreckende Weise, wie sexueller Missbrauch in Institutionen in den letzten Jahrzehnten stattfinden konnte und wie wenig diese Tatsache von der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen worden ist. Bei allein 13.000 Anrufen und 2.000 Briefen von Betroffenen kann nicht von Ausnahmesituationen oder unglücklichen Einzelfällen gesprochen werden.

Und dennoch wird durch den Abschlussbericht genau dieser Eindruck erweckt, dass die Bekämpfung nur auf der Ebene der Personen – Opfer oder Täter – möglich wäre. Die Verantwortung der betroffenen Organisationen bleibt außen vor.
Sexueller Missbrauch kann aber nur verstanden werden, wenn anerkannt wird, dass Organisationen – ihre Strukturen und ihre Kultur – sexuellen Missbrauch begünstigen können und es ebenso ermöglichen, ihn über lange Zeit unentdeckt oder wissend verdeckt geschehen zu lassen. Sexueller Missbrauch in Organisationen ist eine Ausnutzung von Macht und Autorität seitens der Täterinnen und Täter gegenüber Kindern. Es gilt demnach für Organisationen, dass sie gezielt und professionell unterstützt darin arbeiten die ihnen anvertrauen Kinder zu schützen. Dabei müssen auch Strukturreformen und Organisationsentwicklungen auf den Prüfstand.

Der moralische Anspruch, die gewachsenen Traditionen und das kulturbildende Selbstverständnis von Organisationen müssen hinterfragt werden. Unsere Erfahrungen zeigen deutlich: eine Organisationskultur, die die Balance zwischen Autorität und Kontrolle gestaltet, reflektiert und hält, schafft Vertrauen und hilft, zur verantwortungsvollen Prävention und Intervention bei sexuellem Missbrauch beizutragen.

Weitere Informationen finden Sie im Fachbeitrag „Organisationskultur entwickeln – Vertrauen erneuern“ aus der Zeitschrift engagement.

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