Im Mai 2011 haben über 50 in der Lehrerbildung tätige Vertreterinnen und Vertreter von Ministerien, Landesinstituten, Bildungsinstituten, Studienseminaren und Universitäten aus acht Bundesländern über den Nutzen reflexiver Beratung für die Lehrerausbildung diskutiert und Vorschläge für Anforderungen an qualifizierte Praxisbegleitung in der Lehrerausbildung auf den Weg gebracht.

Nach intensiver Beratung im Nachgang zu dieser Tagung wurde nun ein eigenes Positionspapier von den Teilnehmer/innen verabschiedet, dass den Verantwortlichen in der Lehrerausbildung zur Implementierung von Supervision und entsprechend qualifiziertem Coaching zur weiteren Verwendung empfohlen wird.

Die Leitgedanken des gemeinsamen Positionspapiers sind:

Supervision und Coaching sind unverzichtbare Instrumente in den Phasen der Lehrerausbildung, um Selbstreflexionsprozesse bei angehenden Lehrkräften zu initiieren und zu begleiten. Qualifizierte Ausbilderinnen und Ausbilder unterstützen durch professionelle und aufdas System der universitären Ausbildung und des Vorbereitungsdienstes abgestimmteSupervision die Studierenden und Referendarinnen und Referendare in ihrem Ziel, professionellhandelnde Lehrer und Lehrerinnen zu werden und zu sein, die sich an Kriterien guten Unterrichtsorientieren und die für die optimierte Schulpraxis erforderliche Sozial- und pädagogische Beratungskompetenz entwickeln.

Supervision und Coaching unterstützen selbstverantwortliches Lernen, indem Studierende und Referendarinnen und Referendare die Ausgestaltung ihrer Lehrerrolle im System Schule reflektieren. Erfolgreiche Supervision ist daher am Individuum orientiert, versteht Ausbildung als Begleitung, schafft transparente Kommunikationsstrukturen, lässt Gestaltungsräume zu und versteht Rückmeldung als Dialog und Prozess.

Die Implementierung einer auf die universitäre Lehrerausbildung und den Vorbereitungsdienst abgestimmten Supervision verbessert die Qualität der Lehrerausbildung. Supervision ist als ein Qualitätsentwicklungsinstrument im Ausbildungsprozess zu sehen und bezieht Ausbilder und Ausbilderinnen wie Studierende und Referendar/innen gleichermaßen mit ein. Ein die Ausbildung umfassendes Supervisionskonzept verändert das System und stärkt und unterstützt die bestehenden Ressourcen für eine gelingende Ausbildungspraxis.

Supervision und Coaching sind als bewertungsfreier geschützter Raum zu gestalten. Durch Supervision im bewertungsfreien Raum können (Selbst-)Reflexionsprozesse gelingen und Ausbilderinnen und Ausbilder beraten, unterstützen, anleiten, moderieren, begleiten, diagnostizieren. So gestaltete rollenbezogene Supervision in der Lehrerausbildung nimmt den Ausbilderinnen und Ausbildern die mit Macht und Druck verbundene Aufgabe der Bewertung und eröffnet ihnen die Möglichkeit, sich als Lernbegleiterinnen und Lernbegleiter zu verstehen.

Supervision braucht qualifizierte Beraterinnen und Berater. Sollen Supervision oder Coaching als im System angelegte reflexive Beratung gelingen, ist eine Qualifizierung der Ausbilderinnen und Ausbilder nach anerkannten Ausbildungsstandards erforderlich.

Supervision muss als Stütz- und Entwicklungsstruktur in die Berufseinstiegsphase hinein als Angebot vorgehalten werden. Die Entwicklung der Lehrerpersönlichkeit endet nicht nach der zweiten Phase der Ausbildung. Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger erleben hingegen oft einen Praxisschock, der Entwicklungsfortschritte aus der Ausbildung wieder zudeckt und zu Frustration führt. Hier ist es wichtig Supervision vorzuhalten.

Im deutschen System der Lehrerausbildung und Nachwuchsgewinnung gibt es wenig Zugangsbeschränkungen, die vor der Ausbildung nach Eignung und Neigung für den Lehrerberuf fragen. Supervision stärkt die Entscheidungsfähigkeit hinsichtlich der Berufswahl und unterstützt die Entwicklungsmöglichkeiten der Studierenden und Referendarinnen und Referendare zu einer starken Lehrer(innen)persönlichkeit. Supervision und Coaching sind konsequente und logische Elemente dieses Ansatzes

 

Weitere Materialien zum Thema:

Positionspapier als PDF

Pressemitteilung

TeilnehmerInnen Konferenz 2011