Termindetails

Beginn 15.06.2017, 14.30 Uhr
Ende 17.06.2017, 13.00 Uhr
Ort

Akademie Franz-Hitze-Haus,

Kardinal-von-Galen-Ring 50
48149 Münster

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VeranstalterDGGO
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Versteht man Organisationen als dynamische und stetig in Entwicklung und Veränderung befindliche „Gebilde“, dann liegt es im Sinne der Lewin ́schen Feldtheorie nahe, sich mit Kraftfeldern zu beschäftigen, die in Organisationen wirken und durch die Organisationen erlebbar und beschreibbar werden. Kraftfelder sorgen für Strukturen und ermöglichen gleichzeitig Bewegung. Ziel dieser Fachtagung ist es, mehr über diese Kraftfelder und die durch sie entstehenden Dynamiken zu verstehen. Exemplarisch blicken wir dabei durch folgende „Brillen“:

Architektur
kann als Mittel der Organisationsgestaltung betrachtet werden. Einerseits beeinflusst sie das Wohlbefinden von Menschen, andererseits muss sie den Erfordernissen der Herstellung von Produkten oder Dienstleistungen dienen. Diese beiden Ziele stehen immer wieder in Konkurrenz zueinander. So kann die Absicht, es den Mitarbeitenden durch die Einplanung „informeller Ecken“ angenehm zu machen, Misstrauen auslösen, denn dadurch wäre das Informelle zum Formellen in der Organisation gemacht. Informelles Geschehen muss aber dem formellen, offiziellen unzugänglich bleiben, sonst hat es seine Funktion
verloren.

Das Unbewusste dürfte das meist übersehene Kraftfeld in Organisationen sein, völlig zu Unrecht, denn Zusammenarbeit, Führung und der Umgang mit Veränderungen wird maßgeblich von unbewussten Prozessen mitbestimmt. Dieses Kraftfeld ist mannigfaltig mit anderen Kraftfeldern verzahnt.

Ein anderes Kraftfeld in Organisationen ist Politik, mit innenpolitischen und außenpolitischen Ausprägungen. Organisationspolitisches Geschehen erscheint vielen Mitarbeitenden fremd, bedrohlich, destruktiv oder mindestens überflüssig. Das alles kann es natürlich auch sein, aber es dient eben auch den Überlebensstrategien: also dem Aushandeln von Vorteilen, dem notwendigen Taktieren auf dem Markt und damit der Sicherung der Organisation und der Arbeitsplätze. Zudem beeinflusst das umgebende politische Geschehen das Agieren in und von Organisationen erheblich.

Welche Einflüsse, welche Kraft entfaltet Kunst  auf die Organisation? Was bedeutet es für Mitarbeitende (Kunden, Gäste), wenn Geld in Kunst angelegt wird, wenn Räume damit gestaltet werden? Welche Signale werden damit ausgelöst? Braucht man Kunst in Organisationen überhaupt? Auch hier ergeben sich Spannungen: zwischen dem Zugang zur Kunst, dem Verstehen und der Verwertbarkeit. Wenn Kunst ausschließlich als Mittel zur Kapitalanlage genutzt wird, verliert sie einen wesentlichen Teil ihres Sinns.

Der Blick auf das Kraftfeld Finanzen scheint irgendwie klarer: Man braucht es – sonst geht gar nichts. Aber: zu viel Geld zu haben, ist möglicherweise ebenso hemmend wie zu wenig davon. Was ist zu viel, was zu wenig? Wann ist es sinnvoll genutzt? Wofür sollen die finanziellen Ressourcen eingesetzt werden? Was dient dem Zweck der Organisation, was passt zu den Werten und Überzeugungen, der Kultur?

Ist Geld gut angelegt, wenn in Prozesssteuerung investiert wird, in die Verschlankung und Optimierung von Abläufen der Organisation? Wie lange ist die Optimierung und damit möglicherweise auch die Vereinfachung von Arbeitsabläufen human? Wir wissen, dass die Verdichtung von Arbeit notwendige Kommunikation verhindern, den informellen Bereich ausdünnen und damit Abläufe wieder verlangsamen kann. Auch hier ist das Zusammenspiel verschiedener Kraftfelder spürbar.

All diesen Blicken und Fragen gehen wir in dieser Tagung nach. Der Praxisbezug wird durch drei Elemente hergestellt: Zum einen werden die möglichen Wirkungen und Auswirkungen der beschriebenen Kraftfelder in den Resonanz- und Analysegruppen untersucht und beraten. Zum anderen wird eine gruppendynamische Form der Organisationsuntersuchung vorgestellt, mit der innerhalb des Zeittraums einer Woche sehr treffsichere Diagnosen erstellt werden können. Ein Referenzunternehmen wird für Erdung und neue Fragestellungen sorgen.