Arbeitswelt

Arbeitswelt im Wandel

Die Arbeitswelt verändert sich stetig. Flexibilisierung, Digitalisierung, Automatisierung… Ständig werden neue Versionen bekannter Phänomene beschrieben, die Industrie steht aktuell bei der Ziffer 4.0. Wir setzen uns mit Trends und Umbrüchen in den Gestalten der Arbeitswelt auseinander. Hier entsteht künftig eine Sammlung interessanter Artikel und Links zur Zukunft der Arbeit.


  • Riskante Arbeitswelt

    Die erste Studie zur psychosozialen Situation in deutschen Organisationen (2008-2011)

    Dass die Arbeitswelt sich tiefgreifend verändert und dass sich diese Veränderungen belastend auf Beschäftigte auswirken, ist schon 2008 spürbar. Aber nicht wissenschaftlich erkundet. Um das dringliche Anliegen, die Belastungen der neuen Arbeitswelt zu benennen und Belastungsgrenzen auszuloten, kümmert sich die Studie „Arbeit und Leben in Organisationen 2008“. Basis der Studie ist eine im Jahr 2008 durchgeführte Befragung von DGSv-Mitgliedern zu ihren Erfahrungen bei der Zusammenarbeit mit den von ihnen beratenen Berufstätigen. Mit Hilfe von qualitativen Interviews liefert die Studie dichte Beschreibungen darüber, welche psychosozialen Belastungen die arbeitsweltlichen Veränderungen zur Folge haben; und wie sie von den Organisationsmitgliedern im Profit- und Nonprofitbereich bewältigt werden.

    Die Forscherinnen und Forscher können anfangs kaum glauben, was ihnen die Supervisorinnen und Supervisoren aus der Welt der Organisationen in Deutschland berichten – von „betrieblicher Klimakatastrophe“ ist die Rede; und davon, dass das „psychische Elend erschreckend“ sei. Die Befragung hilft schließlich das weit verbreitete Gefühl zu objektivieren, dass die Arbeitsbedingungen turbulenten Veränderungen unterliegen. Diese bieten den Beschäftigten zwar auch Chancen für mehr Selbstverwirklichung, sie stellen aber vor allem ein Risiko für ihr subjektives Wohlbefinden und mehr noch für ihre psychische Gesundheit dar.

    Nach Auswertung der gesamten Datenbasis wird klar: Es sind Indizien für eine ausgesprochen problematische gesellschaftliche Entwicklung gefunden, die auf eine in ihren psychosozialen Folgen „Riskante Arbeitswelt“ hindeuten. Die DGSv-geförderte Studie führt schließlich dazu, das Thema der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz auf die Agenda eines breiten öffentlichen Diskurses zu bringen – und bis heute dort zu halten.

    Dieser Text verdichtet die Ergebnisse der 2008 durchgeführten qualitativen Studie zu den psychosozialen Auswirkungen spätmodernen Erwerbsarbeit. Die wissenschaftliche Verantwortung für die Studie tragen Prof. Dr. Dr. Rolf Haubl vom Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt/Main und Prof. Dr. G. Günter Voß von der Technischen Universität Chemnitz.

    Die Ergebnisse sind im 2011 erschienenen Buch Riskante Arbeitswelt im Spiegel der Supervision ausführlich dargestellt.


  • Belastungsstörung mit System

    Die zweite Studie zur psychosozialen Situation in deutschen Organisationen (2011-2013)

    Auf die 2008er-Studie zum Innenleben von Organisationen in Deutschland folgt 2011 eine zweite Untersuchung. Erneut werden die Mitglieder der DGSv dazu befragt, wie sie jetzt, drei Jahre später die Arbeitsbedingungen in wirtschaftlichen und nichtwirtschaftlichen Organisationen sowie deren Auswirkungen auf die Beschäftigten wahrnehmen. Die Grundlage der zweiten Erhebungswelle wird gegenüber der ersten Welle erweitert: Es werden nun dreißig qualitative Intensivinterviews und vier Gruppendiskussionen sowie erneut eine Befragung der DGSv-Mitglieder mittels eines umfangreichen Fragenkatalogs durchgeführt. Der Fragenkatalog umfasst vier neue Themenkomplexe: (a) Lassen sich markante Veränderungen der Arbeitsbedingungen seit 2008 feststellen? (b) Welchen Stellenwert haben Qualitätsstandards der Arbeit für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen? (c) Was tun Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, um sich an ihren Arbeitsplätzen (psychisch) gesund zu erhalten? (d) Wie weit ist Leistungsgerechtigkeit in Organisationen realisiert? Es geht in der Studie also vor allem um Professionalität und Qualität der Arbeit sowie um den sorgenden Umgang mit sich selbst.

    Das Ergebnis: einige Lichtblicke, viele Schattenseiten, keine Entwarnung. Supervisorinnen und Supervisoren beurteilen die Arbeitsbelastungen in Organisationen nach wie vor mit „sehr hoch“ und beobachten u.a. folgendes: Die Beschäftigten versuchen sich individuell mit Arbeitsbedingungen zu arrangieren, die auf eine Überforderung hinauslaufen, statt sich gemeinsam für deren Veränderung zu engagieren. Die Bewältigung stetiger Be-und Überlastung ist vorwiegend internalisiert und selbstschädigend ausgerichtet. Die Aufgabe der Selbstfürsorge wird in den privaten Bereich verschoben. Unzureichende Selbstfürsorge kann destruktive Züge haben und bis hin zur Selbstschädigung gehen.

    Kurz: Die psychosoziale Situation in deutschen Organisationen und Unternehmen bleibt extrem angespannt. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind ständig davon bedroht, sich zu überfordern und gesundheitlich zu gefährden. Besonders beunruhigend: Diese Belastungsstörung hat System.

    Dieser Text verdichtet die Ergebnisse der 2011 durchgeführten zweiten Studie zu den psychosozialen Auswirkungen spätmodernern Erwerbsarbeit. Die wissenschaftliche Verantwortung für die Studie tragen Prof. Dr. Dr. Rolf Haubl vom Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt/Main und Prof. Dr. G. Günter Voß von der Technischen Universität Chemnitz.

    Die Ergebnisse sind im 2013 erschienenen Buch Belastungsstörung mit System ausführlich dargestellt.