Führung

Führung. Worauf kommt es heute an?

Mit unterschiedlichen theoretischen Brillen versuchen die Fachleute der Gegenwart zu erkennen, was sich in der Führungskultur ändert oder ändern sollte. Zwei Beispiele für viele: Führungskräfte würden zur Zeit ihr postheroisches Zeitalter einläuten. Führung sei heute lateral zu meistern, mit wenig Macht und viel Mut zu Konflikten. Leitungssupervision und Führungskräfte-Coaching gehören zu den Standard-Arbeitsaufträgen von DGSv-Beraterinnen und -Beratern. Wir setzen uns mit den aktuellen Anforderungen an Führung eingehend auseinander.


Die getriebenen Treiber

Zum Anforderungsprofil zeitgenössischer Führungskräfte: Eindrücke vom 6. Kongress für Psychodynamisches Coaching und Psychoanalytische Sozialpsychologie

Führungskräfte müssen sich in profit- und veränderungsorientierten Organisationen bewähren und ggfs. harte strategische Entscheidungen treffen. Andererseits müssen sie z.B. auch der Sehnsucht von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entsprechen, gerecht und fürsorglich behandelt zu werden. Sie haben also ständig ambivalente Erwartungen auszubalancieren; und nicht alle scheinen der Situation gewachsen, gleichzeitig „Treiber“ wie „Getriebene“ des permanenten Wandels in den Organisationen zu sein.

Diese Spannungsfelder und die Konsequenzen für ein „gutes Führungsverhalten“ leuchtete der Kongress “Führung -> good enough!?” aus, der Mitte Februar 2015 an der Universität Kassel stattfand. Für die Auseinandersetzung um Ansätze und Elemente einer Form „guter Führung“ erschien den Veranstaltern interessant, das von Donald W. Winnicott entwickelte Konzepts der „good enough mother“ auf Führungskräfte zu übertragen.

Auf Basis dieses Konzepts, das perfektionistische Ansprüche mit realen inneren und äußeren Möglichkeiten abgleicht, initiierte man eine vielseitige Auseinandersetzung um die Frage guter oder hinreichend guter Führung. So wurden Erfahrungen mit psychodynamisch inspirierten Konzepten von Coaching, Supervision und Führungskräfteentwicklung vorgestellt. In Workshops wurde u.a. das historische Verhältnis von Supervision und Führung intensiv erörtert.

Schließlich ging es auch um Führungspraxis in zentralen gesellschaftlichen Bereichen. So führte Thomas Bockelmann, Intendant des Staatstheaters Kassel, in die hoch sensible Führungsarbeit in (s)einem Theater ein. Eindrücklich verdeutlichte er, dass sich Künstlerinnen und Künstler nicht über äußeren Druck oder Anreizsysteme führen lassen.

Und Dr. Axel Kalus, Erster Polizeihauptkommissar im Polizeipräsidium Münster, referierte über „Führung in kritischen Situationen – Führungskonzepte in der Polizei“. Hoch interessant: Die Polizei nutzt eine Besondere Aufbauorganisation (BAO) für die situative und operative Führung. Was das im Fall von Geiselnahmen und anderen Krisenlagen bedeutet, wo irreversible Entscheidungen ohne Probehandeln unter Zeitdruck gefällt werden müssen, machte er u.a. an diesen Punkten fest:

Radikale Akzeptanz: Jede Entscheidung basiert teilweise auf Prognosen, Einschätzung und Ungewissheiten – niemals werden alle Faktoren für die Entscheidung bekannt sein. Kopf und Bauch im Einklang: Der Kopf sollte nichts tun, was der Bauch nicht fühlt.

“Führung -> good enough!?“, der 6. Kongress für Psychodynamisches Coaching und Psychoanalytische Sozialpsychologie“ wurde veranstaltet von der Universität Kassel, vom Sigmund Freud Institut und der inscape GmbH – in Zusammenarbeit mit der DGSv. Dieser Text ist die Essenz des Kongresspreviews sowie des Kongressberichts, den das DGSv-Mitglied Volker Walpuski erstellt hat.

Ausführlicher Kongressbericht