Wissenschaft und Forschung

Wissenschaft und Forschung. Beiträge zum Theorie-Praxis-Diskurs

Supervision und Coaching sind seit vielen Jahren im Fokus des wissenschaftlichen Interesses. Für den Qualitätsanspruch unseres Verbandes sind die Zusammenarbeit mit Forschenden und die Ergebnisse ihrer Forschungen wichtige Quellen der Erkenntnis. Gemeinsam möchten wir beispielsweise verstehen, was in guter Beratung tatsächlich wirksam ist. Die DGSv unterstützt diverse Forschungsprojekte und Marktanalysen und setzt sich für die Vernetzung zwischen Hochschulen und Praktikern ein. Vorstandsmitglied Prof. Dr. Frank Austermann zeichnet für die Wissenschaftsstrategie verantwortlich ist und kooperiert mit Dr. Annette Mulkau (stellv. Geschäftsführerin).


  • DGSv-Netzwerk Forschung

Das DGSv-Netzwerk Forschung existiert seit August 2017.  Es wird mit vielfältigen wissenschaftlichen Veranstaltungen und Initiativen 2018 weitergeführt. Die Verantwortlichen für das Netzwerk sind Prof. Dr. Frank Austermann (Vorstand), Dr. Annette Mulkau und Annette Lentze (beide Geschäftsstelle).

Das 1. DGSv-Netzwerk Forschung fand am 16. und 17. August 2017 in Hannover statt. Diese Veranstaltungsreihe startete mit 32 Teilnehmerinnen und Teilnehmer und hatte somit eine gute Resonanz. In einem Open Space organisierten sich ausgehend von 13 eingebrachten forschungsbezogenen Themen Workshops, die in drei Runden durchgeführt wurden.
Die Ergebnisse der Workshops werden in die Fortschreibung der Wissenschaftsstrategie durch den Vorstand der DGSv eingehen. Der nächste Schritt ist die Positionierung zur Rolle von Wissenschaft und Forschung, bei der im Verband angestrebten weiteren Professions- und Qualitätsentwicklung. Der nächste Schritt ist die Entwicklung eines Konzept zur Nutzung und Pflege von Wissensbeständen. Ein Bestandteil dieses Konzeptes werden weitere wissenschaftliche Veranstaltungen, organisiert von der DGSv, sein.


  • Gibt es achtsame Organisationen?

Eindrücke von einer Forschungswerkstatt mit Expertinnen und Experten aus Arbeitswissenschaft und Supervision mit dem Titel “Organisationale Achtsamkeit und Organisationssupervision – Arbeitswissenschaft trifft Supervision” vom 30. – 31. August 2016 in Bremen

Kurzbericht (PDF)


  • Das Scharlatanerieproblem

2005 hat Stefan Kühl im Rahmen einer DGSv-Studie 90 Thesen zur Entwicklung des Coaching aufgestellt. Sie sind immer noch aktuell. 

Im Rahmen der DGSv-Initiativen, Coaching als eine Qualitäts-Beratungsleistung zu beschreiben, hat die wissenschaftliche Studie von Stefan Kühl immer noch einen besonderen Stellenwert. Durch die Auswertung von 26 Tiefeninterviews mit Vertreterinnen und Vertreter aus Organisationen und Unternehmen schafft sie es, Coaching aus einer soziologischen Außensicht zu betrachten. Die Studie fokussiert scharf das Scharlatanerieproblem – also die Qualitätsprobleme im Feld des Coachings, die Professionalisierungsbemühungen und die Wirkung von Coaching in Organisationen.

Hier sind noch einmal einige der erstaunlich aktuellen Thesen:

  • 56. These: Scharlatane sind immer die anderen: Es ist gerade das Zeichen einer Nichtprofession, dass es keine Übereinstimmung bezüglich der Scharlantaneriezuweisung gibt.
  • 57. These: Die Vielfalt von Methoden und Definitionen im Coaching ist Ausdruck einer mangelnden Professionsbildung.
  • 61. These: Wegen den fehlenden Qualitätsstandards werden „Qualitätssurrogate“ wichtig: graue Haare, Falten, seriöse Kleidung, akademische Titel und Präsenz in der    Fachöffentlichkeit.
  • 69. These: Im Coaching gibt es von Anbieterseite sehr heterogene Maßnahmen zur Marktschließung: Berufsverband, Akkreditierungsstellen, DIN-Normen, wissenschaftliche Auditierungen, Akkreditierung durch Unternehmen, Verwissenschaftlichung der Ausbildung, Parasitisierung an bereits existierenden staatlichen Anerkennungen, Querprofessionalisierungen aus der Supervision.
  • 70. These: Viele dieser Professionalisierungsversuche sind lediglich Versuche, zur Herstellung eines individuell besseren Marktzuganges.
  • 89. These: Die zukünftige Herausforderung für Coaching wird sein, wie die Schnittstelle zwischen personenbezogenen Beratungsleistungen und dem Rest der Organisation gestaltet werden wird.

Prof. Dr. Stefan Kühl ist Professor für Organisationssoziologie an der Universität Bielefeld und berät Unternehmen, Verwaltungen, Ministerien und Universitäten besonders in Fragen der Strategie- und Organisationsentwicklung.

Komplette Studie:

Das Scharlatanerieproblem – Coaching zwischen Qualitätsproblemen und Professionalisierungsbemühung (PDF)