… UND RAUS BIST DU! Ingroup-Outgroup-Dynamiken in Organisationen
Termindetails
Ingroups, gesellschaftlich oder organisational, verbinden Menschen. Sie schaffen Zugehörigkeit und Orientierung. Man weiß, was als normales Verhalten gilt und welche Abweichungen missbilligt werden.
Ingroups trennen Menschen aber auch. Sie sorgen für zählebige Machtgefälle zu diversen Outgroups. Ist man drin, genießt man mächtige Vorteile. Draußen ist der eigene Einfluss dagegen geringer. In Organisationen treffen Beratende auf Dynamiken, die durch Ingroup-Outgroup-Verhältnisse der gesellschaftlichen Umwelt beeinflusst sind. Und auf Intergruppen-Dynamiken der organisationalen Inwelt: Teams vs. mittleres Management. Vorstand vs. mittleres Management. Entwickler*innen vs. Marketing. Vertrieb vs. Produktion und viele mehr. Die Beispiele sind zahllos und manchmal heillos.
Beratende sind als prädestinierte Grenzgänger*innen Teil dieser Dynamiken. Wer keinen Zugang zur Ingroup findet, ist nicht wirksam. Wer von ihr vereinnahmt wird, ist es auch nicht. Was heißt „Allparteilichkeit“, wenn ich bestimmten Gruppen zugeordnet werde und anderen nicht?
Wie erkennen, verstehen und beeinflussen wir in der Organisationsentwicklung solche Verhältnisse? Wie gehen wir um mit gesellschaftlichen Einflüssen der Gruppendynamik, die so schwer zu ändern sind? Mit Silobildung und Statuskämpfen zwischen Bereichen?
Am 26. Februar 2027 gehen wir diesen Fragen der Organisationsdynamik in der Beratung nach.
Flyer: … UND RAUS BIST DU! Ingroup-Outgroup-Dynamiken in Organisationen (PDF)
Programm:
| 10:00 Uhr | Ankommen |
| 10:15 Uhr | „Experimentell Ingroup – Outgroup-Dynamiken beforschen“ Prof. Dr. Annika Wolf & Prof. Dr. Arjan Kozica |
| 10:40 Uhr |
„In- und Outgroups als wirksame Fiktionen“ |
| 11:10 Uhr | Kaffeepause |
| 11:30 Uhr | Workshops 1 - 4 |
| 12: 45 Uhr | Mittagspause |
| 13:45 Uhr | „Brückenschläge – Thematische Brücken sowie Ansätze und Möglichkeiten der Kooperation von Berater*innen mit dem arbeitspolitischen Feld" Prof. i.R. Dr. Erhard Tietel |
| 14:15 Uhr | Workshops 5 - 8 |
| 15:30 Uhr | Kaffeepause |
| 16:00 Uhr | Resonanzgruppen zum Experiment |
| 16:45 Uhr | Abschluss |
Workshops Vormittag
1. „Und draußen bleibst Du …“
Die vernachlässigte betriebspolitische Dimension in Supervision, Coaching und Organisationsberatung
In Supervision und Coaching stehen meist berufliche Rollen, die berufliche Arbeit mit den Klient*innen, Führungsfunktionen sowie Strukturen und Abläufe im Mittelpunkt. Die arbeitspolitische Dimension – Mitarbeitende als Arbeitnehmer*innen und Führungskräfte als Vertreterinnen der Arbeitgeberseite – bleibt häufig im Hintergrund. Ebenso werden Akteure der Mitbestimmung wie Betriebs- und Personalräte selten in Beratungsprozesse einbezogen. Angesichts gesellschaftlicher Krisen und Transformationen rücken jedoch Themen wie Arbeitsbedingungen, Vergütung, Arbeitszeiten, Gesundheitsschutz oder Arbeitsplatzsicherheit stärker in den Fokus von Supervisionsprozessen. Diese ergänzen oder verdrängen klassische berufsbezogene Themen. Der Workshop diskutiert diese Entwicklung anhand der Erfahrungen der Teilnehmenden.
Prof. i.R. Dr. Erhard Tietel, Dipl.-Psych., Hochschullehrer am Zentrum für Arbeit und Politik der Universität Bremen und freiberuflicher Supervisor/Coach (DGSv). Arbeitsschwerpunkte: Betriebliche Arbeitsbeziehungen. Hrsg. der Zeitschrift Supervision.
2. „Ein ungleiches Dreieck: Wessen Auftrag? Wessen Interesse?"
Ungleiche Machtverhältnisse im Dreieckskontrakt
Organisation, Berater*in, Klient*in – drei Positionen mit eigenen Interessen im Beratungssetting. Der Workshop untersucht, wie ökonomische und soziale Machtverhältnisse den Dreieckskontrakt und die Beratung von Beginn an durchdringen. Ziel des Workshops ist eine ehrliche, praxisnahe Auseinandersetzung mit den eigenen Verstrickungen als Berater*in im Kontext kapitalistischen Wirtschaftens.
Jan Tölle ist Supervisor (DGSv) und Social Justice & Radical Diversity Trainer mit Abschlüssen in Kultureller Sozialpädagogik (B.A.) und Zukunftsforschung (M.A.). Er ist tätig in der Demokratiearbeit und engaiert sich wissenschaftlich und aktivistische zu den Themen Kriminalität und Strafe.
3. „In- und Outgroups als wirksame Fiktionen." – Vertiefende Diskussion
Der Workshop vertieft die zentralen Fragen des vorangegangenen Impulsvortrags: Sind In- und Outgroups wirklich notwendig, oder handelt es sich um wirksame, aber überwindbare Fiktionen? Teilnehmende reflektieren gemeinsam, wie Organisationen und Beratende konstruktiv mit (scheinbaren) Gruppenidentitäten umgehen können – insbesondere angesichts ihrer wissenschaftlichen Legitimation einerseits und ihrer praktischen Überwindbarkeit andererseits. Die Diskussion lädt zu einem Perspektivwechsel ein und erkundet, welche Konsequenzen ein veränderter Blick auf Gruppendynamiken für die Beratungspraxis hat.
Prof. Dr. Tatjana Schönwälder-Kuntze, (apl.) Professorin für Philosophie an der LMU München, Reflexionstrainerin, Gruppendynamikerin, SV i.A., t.schoenwaelder@online.de; LinkedIn
4. „Umgang mit In- und Outgroups im Sozialen Lernen“
Soziales Lernen ermöglicht es, In- und Outgroup-Dynamiken nicht als Probleme einzelner Personen zu betrachten, sondern als Teil sozialer Prozesse zu verstehen. Durch Reflexion, Dialog und gemeinsame Erfahrungen können Zugehörigkeit erweitert, Ausgrenzung reduziert und die Zusammenarbeit in vielfältigen Gruppen gestärkt werden. Der Workshop widmet sich der Frage, wie solche Aspekte sozialen Lernens dazu beitragen können, konstruktiv mit diesen Dynamiken umzugehen. Im Fokus stehen dabei das Bewusstmachen von Gruppenzugehörigkeiten, die Förderung von Perspektivwechseln, die Reflexion von Stereotypen und Vorurteilen, die Betonung gemeinsamer Ziele sowie die Gestaltung inklusiver Interaktionen und Gruppendynamiken.
Prof. Dr. Annika Wolf, Professorin für Nachhaltige Transformation an der Hochschule Emden/Leer, Trainerin für Gruppendynamik (i.A.), Supervisorin (i.A.) annika.wolf@hs-emden-leer.de / https://www.linkedin.com/in/prof-dr-annika-wolf/
Prof. Dr. Arjan Kozica, Professor für Organisation und Leadership an der ESB Business School (Reutlingen) und Privatdozent an der Universität der Bundeswehr München. Er lehrt und forscht zu Organisationsentwicklung, Arbeitsgestaltung und Führung. arjan.kozica@reutlingen-university.de, https://www.linkedin.com/in/arjan-kozica/
Workshops Nachmittag
5. Interventionen bei Ingroup-Outgroup-Dynamiken"
Strategien scheitern häufig nicht an ihrer inhaltlichen Qualität, sondern daran, dass sie über Gruppengrenzen hinweg keine Akzeptanz finden. Organisationen sind durchdrungen von Ingroup-Outgroup-Dynamiken: Teams gegen Management, Matrix gegen klassische Hierarchien, Entwicklung gegen Marketing, Vertrieb gegen Produktion, Zentrale gegen Niederlassungen. Was hilft?
Der Workshop erkundet an Fallbeispielen unterschiedliche In- und Outgroup-Dynamiken. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Berater*innen bei solche Dynamiken wirksam intervenieren. Wir entwickeln und diskutieren Interventionsansätze, die Silobildung aufbrechen und echte organisationale Bewegung ermöglichen. Teilnehmende sind aufgefordert, eigene Beispiele aus ihrer Praxis einzubringen und gemeinsam nach Lösungsansätzen zu suchen.
Caroline Hein, Expert for Learning – Leadership & Organizational Development – GEMA; LinkedIn & http://www.caroline-hein.de/
Dr. Thomas Vogl, Berater und Trainer; www.supervision-vogl.de , LinkedIn
6. Behutsam dranbleiben
Empathie als Doppelwahrnehmung in Out-Group-Dynamiken
In Beratungs- und OE-Prozessen wird Zugehörigkeit oft unausgesprochen verhandelt: Wer gehört dazu, wer steht außen? Solche Dynamiken prägen alle Beteiligten im Raum.
Behutsam dranbleiben bedeutet, die Perspektiven anderer wahrzunehmen und zugleich die eigenen Reaktionen im Blick zu behalten. Denn sowohl das, was im System geschieht, als auch das, was es in uns auslöst, liefert wertvolle Informationen.
Der Workshop verbindet einen kurzen Input zu Empathie als Doppelwahrnehmung (Impathie/Empathie) aus der Mimikresonanz® mit einer interaktiven Plakatarbeit. Gemeinsam sammeln die Teilnehmenden Erfahrungen aus ihrer Praxis und entwickeln daraus eine Landkarte für empathisches und wirksames Handeln in herausfordernden Situationen.
Sümeyye Algan, Mimikresonanz®-Trainerin, geprüfte Systemische Coach, Gründerin we:gether®. www.wegether.de, LinkedIn
7. Ingroup-Macht: Wenn Minderheiten die Organisationskultur verändern
Sichtbar werden – trotz allem: Queere Communities zwischen Risiko und Macht
Queere Communities in Konzernen und Organisationen sind Minderheiten – aber was entsteht, wenn sie sich zusammenschließen? Was braucht es an Mut und Überwindung, um als kleine Gruppe sichtbar zu werden? Und welche Kraft entwickelt sich daraus, um eine ganze Organisationskultur zu verändern?
In dieser Session erforschen wir Ingroup-Macht am Beispiel queerer Gemeinschaften in der Arbeitswelt: Wie entstehen diese Ingroups? Welche Strategien des Empowerments entwickeln sie, um ihre Positionen zu stärken? Und wie verwandelt sich diese gesammelte Kraft in tatsächliche Organisationsveränderung?
Wir verbinden theoretische Perspektiven auf Ingroup-Dynamiken mit gelebter Realität – um zu verstehen, wie Veränderung durch Sichtbarkeit und Zusammenschluss entsteht.
Annabelle Schächinger, Supervisorin & agile Organisationsentwicklerin, Trainerin für Gruppendynamik i.A., www.supervisionkoeln.net , LinkedIn (https://www.linkedin.com/in/annabellesch%C3%A4chinger/)
8. Den Ton neu anstimmen
Wie unvoreingenommes Forschen neue Verbindungen schafft
Populäre Polarisierungsthesen zu „Wir-Die-“, „Oben-Unten- und „Innen-Außen-Ungleichheiten“ sind markanter Teil von öffentlichem Diskurs und Wissenschaft geworden - viele Thesen bar empirischer Belege. Insofern treffen wir auf sie auch im Alltag von Organisationen, wo sie von eigenen formellen wie informellen Dynamiken, wie und wodurch frau:man dazugehört oder nicht, überlagert werden.
Wer sich als Organisationsentwickler:in an die Grenze zwischen In- und Outgroups stellt, gerät rasch unter Druck. Zeitgeist und kurze Aufmerksamkeitsspannen gieren nach Antworten, Lösungen, Positionierung. Doch wer zu schnell „weiß“ und Recht zu haben meint, verliert die eigene Wirksamkeit. Wie kann ein wirksamer Rahmen aussehen? Aus welcher Haltung heraus kann neue Verständigung entstehen?
Es gibt eine gruppendynamische Maxime, die für organisationsdynamische Prozesse zum Schlüssel wird. Sie führt zur Quelle: „Humble Inquiry“ von Ed Schein und macht für eine facilitative Organisationsentwicklung unser Nichtwissen zu einer Ressource. Sie macht den Weg frei, Annahmen übereinander in den Raum zu holen. Abzubilden, was ist. Dies berührt ebenso Zukunftskompetenzen wie Vertrauen, innere Führung und Präsenz. Mit einer forschenden Haltung erkunden wir im Workshop, welche Erfahrungen die einzelnen beim Versuch zu bewegen, zu verflüssigen und neue Möglichkeitsräume zu öffnen, machen. Der Workshop ist ein kollegialer Ort der Selbstvergewisserung und Inspiration. Der „hohe Ton“ in der Verständigung braucht beides: nach innen und außen zu lauschen.
Nadine Förster, Prozessbegleiterin, FEMpreneur, Trainerin für Gruppendynamik, www.nadinefoerster.de
| Teilnahmebeitrag bis 30.09.2026 | |
| Ausbildungskandidat*innen DGSv/DGGO | 110,00 € |
| Mitglieder DGSv/DGGO | 150,00 € |
| Externe | 180,00 € |
| Teilnahmebeitrag ab 01.10.2026 | |
| Ausbildungskandidat*innen DGSv/DGGO | 120,00 € |
| Mitglieder DGSv/DGGO | 170,00 € |
| Externe | 195,00 € |
DGGO-Mitglieder und externe Personen melden sich gerne via E-Mail an: veranstaltungen@dgsv.de
Anmeldefrist: 15.01.2027
Bitte beachten Sie die Anmelde- und Stornobedingungen (PDF)
Bei dieser Veranstaltung handelt es sich um eine Kooperation zwischen der Deutschen Gesellschaft für Gruppendynamik und Organisationsdynamik (DGGO) und der Deutschen Gesellschaft für Supervision und Coaching e.V. (DGSv).
Anmeldung
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