„Was ist eine Supervisionstheorie?“
DGSv Treffpunkt Forschung
Termindetails
Fragt man die Google-KI welche Supervisionstheorien es gibt, so erhält man die Antwort, dass diese sich nach vier Hauptsäulen unterscheiden: psychodynamische, systemische, humanistische und verhaltensorientierte Supervision. Die KIs Claude und ChatGPT geben fast genau dieselbe Antwort. Dieser Befund ist doppelt wichtig: Zum einen sagt er etwas über Identität und Habitus der Supervisor*innen. Man braucht einfach einen methodischen Heimathafen, um im psychosozialen Bereich arbeitsfähig zu werden. Zum anderen zeigen die Antworten aber auch ein eklatantes Missverständnis: Supervision ist mehr und es ist etwas anderes als die Anwendung eines Verfahrens.
Diese Verwechslung ist alt und sie betrifft ganz unterschiedliche Formate wie Therapie, Beratung, Mediation und eben auch Supervision, Coaching und OE. Um hier eine Klärung zu ermöglichen, was das Spezifische der Supervision jenseits der angewendeten Verfahren ist, hat Ferdinand Buer vor über 20 Jahren die Unterscheidung von Formaten (gesellschaftlichen Rahmungen psychosozialer Dienstleistungen) und Verfahren (angewendetes methodisch-technisches Knowhow) eingeführt.
Mit dem „Praxishandbuch Familienberatung“ liegt jetzt erstmals ein Vorschlag vor, wie genau so eine Formattheorie aussehen sollte.
- Sie muss über die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Einbindungen eines Formats Auskunft geben (Geschichte, rechtliche und ökonomische Einbindung, Einbindung in Netzwerke, Selbstverständnis der Profession).
- Sie muss klären, welche Prozesse in einem Format ablaufen sollen (von der Öffentlichkeitsarbeit bis zur Evaluation).
- Sie muss klären, mit welchen Gegenständen sich ein Format beschäftigt (das ist eine weite Umschreibung des Themas „Diagnostik“).
- Und sie muss offenlegen, aus welchen Quellen das Format technisch-methodisch schöpft und wie es damit wirksam werden kann.
Das „Praxishandbuch Familienberatung“ erklärt dies anhand von Beratungsprozessen in der Familienberatung. Dort wird aber auch eine allgemeine Theorie psychosozialer Formate entwickelt mit deren Hilfe mit relativ wenig Aufwand auch andere Formate, wie zum Beispiel die Supervision, beschrieben werden können.
Im Treffpunkt Forschung wird ein Überblick über die Formatstheorie vorgestellt und zur Diskussion gestellt. Außerdem wird darüber berichtet, wie weit die „Übersetzung“ in eine Supervisionstheorie bereits fortgeschritten ist. Dazu sind in einer zweiten Diskussionsrunde Ideen herzlich willkommen.
Ablauf
| 17:00 Uhr | Begrüßung und Einführung |
| 17:10 Uhr | „Supervision als Format- Auf dem Weg zu einer allgemeinen Supervisionstheorie“ - Dr. Christoph Hutter |
| 18:15 Uhr | Pause |
| 18:30 Uhr | Resonanzgruppen |
| 19:15 Uhr | Feedback & Zusammefassung |
| 20:00 Uhr | Ende |
Referent: Dr. Christoph Hutter, Dipl. Theologe, Dipl. Pädagoge, Psychodramatiker (DFP), Ehe-, Familien- und Lebensberater (Kath. BAG e.V.), Supervisor und Lehrsupervisor (DGSv). Leiter des Referats für Ehe-, Familien-, Lebens- und Erziehungsberatung im Bistum Osnabrück, Ausbilder und Supervisor in Psychodrama und Familienberatung, Publikationen zur Psychodrama- und Beratungstheorie. Kontakt: c.hutter@bistum-os.de
Veranstalter
Deutsche Gesellschaft für Supervision und Coaching e.V. (DGSv)
Hohenstaufenring 78
50674 Köln